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Tag 4.
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Das morgendliche Erwachen hat sich stimmungsmäßig genau so eingetrübt wie das Wetter – wahrscheinlich wegen dem Wetter! Regen, Regen, Regen wo man nur hinschaut – komisch, aber irgendwie komm ich mit meiner Laune nicht so richtig in Schwung.
Wir verlassen also dann Gebze und machen uns durch eine der hässlichsten Gegenden, die ich je gesehen habe auf den Weg. Umweltsünden auf jeden einzelnen Meter – es blutet einem das Herz.
Bald sollte sich endlich etwas zu positiven ändern – zwar nicht wirklich meine Laune (ist irgendwie nicht mein Tag heute) – aber zumindest hört es zu regnen auf und wir kommen raus aus dem Industriemoloch. Die Einfahrt in das Anatolische hinein ist für mich so ein kleiner Beginn dieser ganzen Geschichte und wird auch durch recht ansehnliche landschaftliche Eindrücke untermahlt.
Gegen Abend treffen wir dann die Entscheidung uns irgendwo einen Platz zu suchen an dem wir unser Zelt aufstellen können – es wird dunkler und dunkler…endlich ein kleiner Hof an der Strasse. Dort fragen wir, ob campieren dürfen! Also rein in die Zufahrt und…beide Bikes wollen sich jetzt schon unbedingt schlafen legen. Schwarzer Bulle wollte sch fast schon auf den Rücken schmeißen und war von uns nur schwer zu überreden wieder aufzustehen. Dann begann er auch noch ein wenig zu lamentieren und rauchte weiß, stank nach Öl und hat sin Windschield recht schief n die Landschaft gehalten. Da könnte nur mehr der Onkel Doktor von der BMW-Hotline München helfen und uns bestätigen, dass der schwarze ein wenig zu wehleidig ist.
Der gelbe Bulle ließ sich relativ leicht überreden aufzustehen…braver Bulle…ist auch mein Bulle ;-)! Und hat nicht lamentiert – nur das eine „Ohrwaschl“ zur Seite gedreht…konnte ich ihm aber wieder einrenken.
Also, wieder zurück den Weg (ohne Crash) und in die nächste Ortschaft. In einer Bäckerei fragen wegen Schlafmöglichkeit und schon sahen wir uns umringt vom ganzen Dorf – eigentlich wollten die Fußball WM schauen, aber in dem Fall wurden wir zum Fernsehen für sie.
Vom „Obersheriff“ des Dorfes wurden wir dann eingeladen seine Gäste zu sein, hat uns noch ein gutes Abendessen serviert und quasi ein eigenes Haus zu Verfügung gestellt! Gastfreundschaft über die ich bislang nur gehört habe – jetzt durfte ich so etwas einmal erleben!
Heute beim Aufstehen Regen Regen Regen.
Hoffentlich hört es bald auf.
Die Bikes waren gut untergebracht.
Wir satteln alles auf und weiter geht es Richtung Osten. Diese Meeresbucht, die sich von Istanbul östlich zieht, ist voll mit Schwerindustrie, die Luft nicht unbedingt die beste.
Wir biegen nach Süden ab, Richtung Anatolien. Wir fahren weiter im ‚Regen, der Nebel in den Bergen ist sehr dicht.
Aber endlich sind wir in Anatolien, dem Gebiet, wo ich immer mit dem Motorrad hinwollte. Seit einem Vortrag von Tichy. Wir liegen gut in der Zeit und beschließen kleine Nebenstrassen zu fahren. Wunderschön die Landschaft! Zeitweise kommt auch die Sonne raus.
Langsam müssen wir überlegen, wo und vor allem wie wir nächtigen werden. Wir beschließen im Zelt zu schlafen, kaufen noch ein Essen ein. Dann fahren wir weiter, halten die Augen offen nach einem guten Platz. Wir sehen einen Bauernhof mit einer schönen Wiese, drehen um und wollen hinfahren um zu fragen und die Gastfreudschaft zu haben.
Tja, und dann passiert es.
Der Feldweg, die Zufahrt, habe ich mir leider nicht angesehen, bevor ich mit dem schwer beladenen Bike auf Strassenreifen hinfahre. Fehler. Klassiker. Man denkt sich, wird schon gehen.
Ich stürze wegen Schlamm. Allerdings nicht nur stürzen, sondern kippe noch weiter um, was oben war ist nun unten.
Alex schafft es durchzukommen, beim Abstellen fällt auch seine Maschine um.
Wir stellen mal meine auf. Windschild und Spiegel sind zwar ganz, der Träger vom Windschild, auf dem auch das Navi montiert ist, ist aber total verbogen.
Erstaunlich, was das Bike aushält. Und vor allem auch die Koffer von Touratech, über den ist das Bike abgerollt! Nur leicht verzogen, und das bei dem Gewicht!
Ich habe auch gespürt, dass mein Bein unter dem Bike war beim kippen, allerdings bei den Stiefeln die ich anhabe, kann nicht so schnell etwas passieren! Danke für diese Stiefel!
Ich rufe dass BMW Service in München an, als ich feststelle, dass das Motorrad extrem rausraucht. Das Service funktioniert perfekt! Der Techniker beruhigt mich, ich soll einfach fahren! J gerne!
Wir fahren weiter in die nächste Ortschaft. Es wird schon dunkel.
Ein Kurdendorf. Wir werden so unglaublich nett aufgenommen. Im Dorfcafe bekommen wir sofort einen Tee. Mehrere. Der Wirt bietet uns an bei ihm zu schlafen. Das Cafe füllt sich plötzlich mit allen alten Männern des Dorfes, alle in Sakkos! Es ist Fussball im Fernsehen, man trifft sich unhd trinkt Tee dazu. Allerdings stellen alle ihre Sessel so, dass sie uns beide anblicken! Wir sind heute ihr Kinoprogramm. Nicht das Fussballmatch.
Unglaubliche Augen. Sie checken uns ab, aber nur freundliche Blicke spüren wir. Mustern uns und schauen hindurch in uns hinein.
Manche können ein wenig Französisch, manche einige WorteDeutsch. Dann will der „Dorfsheriff“, dass wir bei ihm schlafen, er hat ein grosses Haus und viel Platz, er spricht auch einige Worte Deutsch. Als er in die Moschee zum Abendgebet geht, empfehlen einige der anderen Männer, wir sollen die Einladung annehmen. Was wir auch machen.
Wir fühlen uns hier sehr sehr sicher, das ganze Dorf passt auf uns auf. Die Bikes stehen draussen, alles ist drauf, wir schauen nicht mal nach.
Dann geht es ins Haus des Gasgebers. Wir bekommen Unmengen zu essen. Jeder ein Zimmer.
Nach einem kurzen Versuch an meinem Bike haben wir beschlossen, mein Bike erst Morgen zu Reparieren, denn nun ist es schon fast Mitternacht. Wir werden das schon irgendwie wieder mit biegen und Kabelbindern und Racetape befestigen können. Arg, was dieses Bike aushält! J
Wir rollen unsere Schlafsäcke aus, auch unserer Gastgeber geht in sein Nebenhaus schlafen.
Unglaublich, was wir am Tag 4 schon erleben. Schlafen bei den Kurden zu Hause, fühlen uns sicher und gut aufgehoben. Das ist Gastfreundschaft. Da kann man sich einiges abschauen. Sie haben nichts, aber das teilen sie noch mit dem Gast.
Mit diesen Gedanken schlafe ich fast augenblicklich ein.